Kein Friede mit den Reichenhaller Zuständen

Auf­ruf zur an­ti­fa­schis­ti­schen De­mons­tra­ti­on
am Sa, 10.​05.​14 in Bad Rei­chen­hall

Die Zu­stän­de in Bad Rei­chen­hall sind wei­ter­hin un­er­träg­lich. Es war of­fen­sicht­lich ein Feh­ler klei­ne Zei­chen, wie die Um­be­nen­nung der Rei­chen­hal­ler Bun­des­wehr­ka­ser­ne, 1 als erste Schrit­te in Rich­tung einer de­mo­kra­ti­schen Auf­ar­bei­tung der Stadt­ge­schich­te zu wer­ten und 2013 auf eine an­ti­fa­schis­ti­sche De­mons­tra­ti­on zu ver­zich­ten2. Denn es hat sich wei­ter nichts ge­än­dert. Auch heute noch ist eine ekel­haf­te Mi­schung aus Ge­schichts­re­vi­sio­nis­mus, Mi­li­ta­ris­mus und Na­tio­na­lis­mus prä­gend für den rech­ten „Dorf­frie­den“ in dem brau­nen Ber­g­nest. Wie selbst­ver­ständ­lich füh­ren Neo­na­zis, ohne zi­vil­ge­sell­schaft­li­chen Pro­test, wei­ter­hin SS-​Ge­denk­fei­ern durch. Immer noch prä­gen ein Reich­sad­ler und ein na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sches Land­ser-​Ge­mäl­de das Bild der ört­li­chen Ka­ser­ne. Der Ka­me­ra­den­kreis der Ge­birgstrup­pe, von Kri­ti­ker_in­nen auch als “Selbst­hil­fe­grup­pe von Kriegs­ver­bre­chern”3 be­zeich­net, führt wei­ter­hin jähr­lich eine ge­schichts­re­vi­sio­nis­ti­sche Kre­t­af­rei­er durch 4 – ohne Wi­der­spruch, aber unter Teil­nah­me der ört­li­chen Po­lit­pro­mi­nenz. Weder wurde die Kre­ta-​Brü­cke um­be­nannt, noch wurde das SS-​Denk­mal am Bad Rei­chen­hal­ler Fried­hof ent­fernt. Auch ein öf­fent­li­ches Er­in­nern an die Kriegs­ver­bre­chen der Rei­chen­hal­ler Ge­birgs­jä­ger oder an den lo­ka­len an­ti­fa­schis­ti­schen/an­ti­mi­li­ta­ris­ti­schen Wi­der­stand 5 fin­det bis heute nicht statt. Bad Rei­chen­hall bet­telt rich­tig­ge­hend um eine er­neu­te an­ti­fa­schis­ti­sche In­ter­ven­ti­on im Jahr 2014.

Kein Frie­de mit der deut­schen Ge­denk­po­li­tik
Dem Kli­schee nach ti­cken die Uhren im baye­ri­schen Hin­ter­land lang­sa­mer als im Rest der Re­pu­blik. Die Al­pen­re­gi­on hat den Ruf des rück­wärts­ge­wand­ten kon­ser­va­ti­ven, wenn nicht gar re­ak­tio­nä­ren hei­mat-​kit­schig Ver­klär­ten inne. Spä­tes­tens, wenn von ge­schichts­pol­ti­schen The­men die Rede ist, un­ter­neh­men Ort­schaf­ten wie Bad Rei­chen­hall so ziem­lich alles, um die­ses Image auch noch zu über­tref­fen.
Die be­schau­lich-​schau­ri­ge Tou­ris­musidyl­le lebt mit und auch von der dor­ti­gen Ka­ser­ne, die 1934 von der Wehr­macht ge­grün­det wurde und seit 1958 von der Bun­des­wehr wei­ter be­trie­ben wird. Kri­ti­sche Stim­men sind in die­ser Um­welt spär­lich gesät. So ist es dort wei­ter­hin mehr als selbst­ver­ständ­lich, dass sich all­jähr­lich Mitte Mai Sol­da­t_in­nen der Bun­des­wehr ver­eint mit der ört­li­chen Po­lit­pro­mi­nenz ver­sam­meln, um eine Ge­denk­ver­an­stal­tung an­läss­lich des deut­schen Über­falls auf die grie­chi­sche Insel Kreta 1941 ab­zu­hal­ten. Sol­che Ver­an­stal­tun­gen ste­hen im Licht des Ge­schichts­re­vi­sio­nis­mus und der Re­la­ti­vie­rung bzw. Nicht-​Be­ach­tung der be­gan­ge­nen Ver­bre­chen vor dem Hin­ter­grund der mehr oder min­der of­fe­nen Tra­di­ti­ons­pfle­ge der Bun­des­wehr zur Wehr­macht als ihrer Vor­gän­ger­or­ga­ni­sa­ti­on. In sol­chen Ge­den­ken herr­schen Er­zäh­lun­gen vor, in denen die Deut­schen in ers­ten Linie als Opfer und nicht als Tä­ter_in­nen und Ver­ant­wort­li­che für ihre Greu­el­ta­ten er­schei­nen.
So er­in­ner­te der lo­ka­le Vor­sit­zen­de des Ka­me­ra­den­krei­ses der Ge­birgstrup­pe, Man­fred Held, beim letz­ten „Kre­ta-​Ge­den­ken“ 2013 vor allem an die ge­fal­le­nen deut­schen Sol­da­ten* auf Kreta und die mehr als 200 Bür­ger_in­nen der Stadt Rei­chen­hall, die am 25. April 1945 bei einem al­li­ier­ten Luft­an­griff star­ben. Des­wei­te­ren war es ihm ein An­lie­gen, in einem Auf­wasch auch an die im Ein­satz ge­fal­le­nen Sol­da­ten_in­nen der Bun­des­wehr in Af­gha­nis­tan und an­dern­orts zu er­in­nern. So er­scheint es vor die­sem Hin­ter­grund schon fast als enor­mer Fort­schritt, dass 2012 zum ers­ten Mal einer Ver­tre­te­rin des grie­chi­schen Kon­su­lats aus Mün­chen ein Re­de­bei­trag ein­ge­räumt wurde und somit der Mord an hun­der­ten Griech_in­nen we­nigs­tens nicht mehr kom­plett ge­leug­net wurde 6. Doch Rei­chen­hall wäre nicht Rei­chen­hall, wäre die­ses Zu­ge­ständ­nis nicht im Sinne des pau­scha­li­sie­ren­den Ge­den­kens „an alle Opfer“ er­folgt. In die­sem Ges­tus des gleich­sa­men Ein­be­zie­hens Aller wird die Ag­gres­si­on der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Trup­pen der­art ver­harm­lost, als dass sie mit ihren Op­fern auf die selbe Stufe ge­stellt wer­den. Doch selbst die­ses Min­dest­maß an Ver­än­de­rung im of­fi­zi­el­len Ge­den­ken fin­det wohl kaum aus Ein­sicht statt. Viel­mehr soll­te es An­lass dazu sein, auch die ver­än­der­ten geo­po­li­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen, unter deren Ein­fluss die deut­sche Au­ßen­po­li­tik und ihre Armee ste­hen, in die Kri­tik mit­ein­zu­be­zie­hen.
So ist es für uns als An­ti­fa­schis­t_in­nen eine ab­so­lu­te Selbst­ver­ständ­lich­keit, die Um­ben­ne­nung einer Ka­ser­ne zu for­dern, die den Namen eines na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Mas­sen­mör­ders trägt, wie es bei der Ge­ne­ral-​Kon­rad-​Ka­ser­ne in Bad Rei­chen­hall der Fall war, ob­wohl wir als An­ti­mi­li­ta­ris­t_in­nen na­tür­lich al­lein die Exis­tenz die­ser Ein­rich­tung als Kriegs­er­klä­rung emp­fin­den. Gleich­wohl war es für uns zu jedem Zeit­punkt klar, dass die – mitt­ler­wei­le er­folg­te – Um­ben­ne­nung le­dig­lich das Al­ler­min­des­te ist. Wir sind uns al­ler­dings nicht si­cher, ob es sich bei die­ser Maß­nah­me in ers­ter Linie um ein, so weit als nö­ti­ges, Zu­rück­wei­chen vor kri­ti­scher Öf­fent­lich­keit und nicht viel eher um den Aus­druck einer Mo­der­ni­sie­rung der Er­in­ne­rungs­po­li­tik an deut­sche In­va­sor_in­nen han­delt. Fest steht: Beim Ka­me­ra­den­kreis ist diese Ver­än­de­rung noch nicht an­ge­kom­men. Die­ser ver­herr­licht auch 2013 noch 7 den an­ti­se­mi­ti­schen Mas­sen­mör­der Kon­rad, be­kannt als „Schläch­ter von der Krim” 8.

Kein Frie­de mit dem deut­schen Mi­li­ta­ris­mus

Heute soll die Bun­des­wehr als selbs­ver­ständ­li­ches Mit­tel zur Durch­set­zung öko­no­mi­scher und macht­po­li­ti­scher In­ter­es­sen Deutsch­lands eta­bliert wer­den. Denn grund­sätz­lich ist mi­li­tä­ri­sche Durch­set­zungs­kraft eine Grund­vor­aus­set­zung für die dau­er­haf­te Exis­tenz ka­pi­ta­lis­ti­scher Herr­schaft. Pri­mär die­nen Mi­li­tär­schlä­ge dabei der Öff­nung neuer und der Ab­si­che­rung ge­fähr­de­ter Märk­te: Zu­griff auf Roh­stof­fe ei­ner­seits, Ab­satz der na­tio­na­len Pro­duk­ti­on und auch Er­schlie­ßung von Trans­port­we­gen an­de­rer­seits. Se­kun­där wird die na­tio­na­le Ein­heit ge­schmie­det. Un­ter­stri­chen wird die­ser Pro­zess durch waf­fen­keyne­sia­nis­ti­sche Ef­fek­te: Wo auch immer auf der Welt mo­der­ne Waf­fen­de­pots ge­leert wer­den, fast immer klin­gelt die Kasse der deut­schen Me­tall-​ und Elek­tro­in­dus­trie, und da­ge­gen hat auch die so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Füh­rung der In­dustrie­ge­werk­schaft Me­tall nichts ein­zu­wen­den.
Auch das Berch­tes­ga­de­ner Land pro­fi­tiert über seine bei­den Ka­ser­nen hin­aus als Rüs­tungs­stand­ort. Rund 10 km von Bad Rei­chen­hall ent­fernt wer­den aktiv Kriegs­waf­fen pro­du­ziert 9. Die Rhein­me­tall Waf­fen Mu­ni­ti­ons GmbH hat in Fronau 13, 83458 Schneizl­reuth einen ihrer acht deut­schen Stand­or­te der “De­fence-​Spar­te”. Rund 60 Phy­si­ker_in­nen, In­for­ma­ti­ker_in­nen und In­ge­nieur_in­nen aus den Be­rei­chen Ma­schi­nen­bau, Elek­tro­tech­nik sowie Luft- und Raum­fahrt stel­len hier mo­derns­tes Kriegs­ge­rät her. Der Land­rat Grab­ner und Schneizl­reuths Bür­ger­meis­ter Bau­reg­ger klat­schen auch noch Bei­fall, wenn die Her­stel­ler_in­nen der Mords­ge­rä­te „ins­be­son­de­re mit Blick auf die Aus­lands­ein­sät­ze der NA­TO-​Streit­kräf­te die um­fas­sen­de Pro­dukt­pa­let­te des Un­ter­neh­mens” 10 prä­sen­tie­ren.
Über all dem schwebt das bi­zar­re Rän­ke­spiel auf dem in­ter­na­tio­na­len Par­kett: Wer mit wem, mit oder ohne UN-​Man­dat, und wie in einen be­waff­ne­ten Kon­flikt ein­steigt oder nicht – sol­che Fra­gen wer­den bis­wei­len zum ab­stra­hier­ten Selbst­zweck, selbst­re­dend ohne auch nur einen ernst ge­mein­ten Ge­dan­ken an die Zi­vil­be­völ­ke­rung in einer Re­gi­on der Be­gier­de zu ver­schwen­den. Die BRD strebt bei­spiels­wei­se ak­tu­ell einen stän­di­gen Sitz im Welt­si­cher­heits­rat an. Dafür muss sie qua Staats­rä­son hin und wie­der „Ver­ant­wor­tung über­neh­men“ und „Hand­lungs­fä­hig­keit be­wei­sen“. Und das geht umso leich­ter von der Hand, je stär­ker eine Ge­sell­schaft mi­li­ta­ri­siert ist und hin­ter „ihren Jungs“ steht.
Das funk­tio­niert im Berch­tes­ga­de­ner Land aus­ge­zeich­net: „Zwi­schen die Stadt Bad Rei­chen­hall und die Bun­des­wehr passt kein Blatt Pa­pier,“ po­saunt Ober­bür­ger­meis­ter Lack­ner 2011 bei einem „Rück­keh­rer-​Ap­pell“ samt öf­fent­li­chem Ge­löb­nis. Ver­lie­hen wur­den zu­gleich noch „Ein­satz­me­dail­len“ und „Eh­ren­kreu­ze“. Der Bur­schen­schaf­ter und da­ma­li­ge Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Ram­sau­er kom­men­tier­te als Schirm­herr der Ver­an­stal­tung, es sei „rich­tig und wich­tig, dass Sol­da­ten wie­der für ihre Tap­fer­keit ge­ehrt wer­den kön­nen.“ Die in Af­gha­nis­tan ein­ge­setz­ten Ge­birgs­jä­ger fei­er­ten dabei „die glück­li­che Rück­kehr in­mit­ten der Be­völ­ke­rung“. Wenn deut­sche Sol­da­t_in­nen zu­rück­keh­ren aus der Ferne, wo sie für Deutsch­lands Be­lan­ge ge­tö­tet haben, soll sie ein dank­ba­res Volk emp­fan­gen und dem­ent­spre­chend auch or­dent­lich trau­ern, wenn sie doch ein­mal in Lei­chen­sä­cken zu­rück an den Ab­sen­der ge­schickt wer­den. In Bad Rei­chen­hall be­ginnt die mi­li­ta­ris­ti­sche So­zia­li­sa­ti­on für den Ge­schmack der öf­fent­li­chen Wahr­neh­mung nun doch etwas zu früh. Be­reits Kin­der konn­ten am Tag der of­fe­nen Tür der Bun­des­wehr­ka­ser­ne in Bad Rei­chen­hall mit Ziel­erfas­sungs­sys­te­men von Pan­zer­fäus­ten auf ein nach­ge­bau­tes Dorf mit dem Namen „Klein-​Mit­ro­vica“ zie­len. Die­ser Ver­such die Ak­zep­tanz für die ge­sell­schaft­li­che Mi­li­ta­ri­sie­rung her­zu­stel­len, ging als Schuss nach hin­ten los und als „Klein-​Mit­ro­vica-​Skan­dal“ in die in­ter­na­tio­na­le Me­dien­be­richt­er­stat­tung ein 11.



Kein Frie­de mit dem Na­zi-​und SS- Ge­den­ken

Der skan­da­lö­se (Nicht-​)Um­gang Rei­chen­halls mit dem jähr­li­chen SS-​Ge­den­ken ist eben­falls äu­ßerst wi­der­lich. „Die haben ja nicht für eine ab­zu­leh­nen­de Ideo­lo­gie ge­kämpft.“ So cha­rak­te­ri­siert Karl Wel­ser , Grün­der der Volks­hoch­schu­le Bad Rei­chen­hall und ehe­ma­li­ger Stadt­rat, die fran­zö­si­schen Frei­wil­li­gen in der Waf­fen-​SS, die im Mai 1945 im Orts­teil Karl­stein von den ame­ri­ka­ni­schen Be­frei­ern er­schos­sen wur­den. Hä­misch er­gänzt er in einem ge­schichts­re­vi­sio­nis­ti­schen Pseu­do-​Do­ku­men­tar­film, es möge sein, dass sich „Rote“ daran stö­ren könn­ten, was in Rei­chen­hall aber nie­mand in­ter­es­sie­re, man sei hier ja „kon­ser­va­tiv bis auf die Kno­chen“. Und zwar so kon­ser­va­tiv, dass die Kno­chen der SS-​Leu­te nach einer Um­bet­tung im Jahr 1949 auch ihren Platz am hei­mi­schen Fried­hof St. Zeno fin­den konn­ten und so post­hum in die Rei­chen­hal­ler Dorf­ge­mein­schaft in­te­griert wur­den.
In Bad Rei­chen­hall dreht sich die NS-​Ver­herr­li­chung längst nicht nur um die Wehr­macht. Hier wird gleich der SS ge­hul­digt. Zur Er­in­ne­rung: Die Waf­fen-​SS wurde vom in­ter­na­tio­na­len Mi­li­tär­ge­richts­hof als ver­bre­che­ri­sche Or­ga­ni­sa­ti­on ein­ge­stuft wegen ihrer be­son­ders ak­ti­ven Rolle im na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ver­nich­tungs­krieg. In ihren Rei­hen haben sich über­durch­schnitt­lich viele über­zeug­te Na­tio­nal­so­zia­lis­t_in­nen ver­dingt. Die 33. Waf­fen-​Gre­na­dier-​Di­vi­si­on der SS „Char­le­ma­gne“, um die es in Rei­chen­hall geht, war vor allem in der „Par­ti­san_in­nen­be­kämp­fung“ im Ver­nich­tungs­krieg im Osten ein­ge­setzt – wo­hin­ter sich in der Regel das be­son­ders bru­ta­le Vor­ge­hen gegen die Zi­vil­be­völ­ke­rung ver­birgt. Spä­ter ver­tei­dig­ten die ver­blie­be­nen Teile die­ser Di­vi­si­on die Stadt Ber­lin selbst dann noch, als sich die Wehr­macht und mit ihr die meis­ten „volks­deut­schen“ Nazis zu­rück­ge­zo­gen hat­ten, bis zur dor­ti­gen Ka­pi­tu­la­ti­on am 2.​Mai 1945.
Über die Jahre eta­blier­te sich in Rei­chen­hall ein un­ge­stör­tes Tref­fen von Fa­schis­t_in­nen und Alt-​Na­zis aus ganz Eu­ro­pa, dar­un­ter bei­spiels­wei­se eine „Eh­ren­gar­de Be­ni­to Mus­so­li­ni“. Als die Po­li­zei erst­mals Teil­neh­mer_in­nen im Jahr 2006 kon­trol­liert, fin­det sie Spreng­mit­tel sowie funk­ti­ons­fä­hi­ge Schuss­waf­fen und hin­dert einen PKW am Wei­ter­fah­ren mit einer Ka­no­nen­la­fet­te. Da­nach wan­del­te sich die Ge­denk­ver­an­stal­tung zu einer Art „Ge­heim­tipp“ für die bun­des­deut­sche Na­zi­sze­ne, die rund um den 8. Mai sonst über­all mit Wi­der­stand rech­nen muss.
In Rei­chen­hall ist das Ge­gen­teil der Fall: Oben ge­nann­ter Wel­ser stif­tet stell­ver­tre­tend für das Rei­chen­hal­ler Bür­ger_in­nen­tum sogar noch eine zwei­te Ge­denk­plat­te am Fried­hof St. Zeno. Erst 2007 wird das Denk­mal am Ku­gel­bach­park­platz ent­fernt und der zu­grun­de lie­gen­de Pacht­ver­trag von Sei­ten der baye­ri­schen Staats­fors­te auf­ge­kün­digt. Es wird al­ler­dings nicht zweck­dien­lich am Wert­stoff­hof re­cy­celt, son­dern – wie soll­te es in Rei­chen­hall an­ders sein – auf den Fried­hof St. Zeno ver­bracht.
Und auch nach un­se­ren zwei De­mons­tra­tio­nen und einer ört­lich dis­ku­tier­ten Pla­kat­ak­ti­on des Ra­batz-​Bünd­nis­ses mit der ent­spre­chen­den Auf­for­de­rung hat sich 2013 kein_e Rei­chen­hal­ler_in ge­fun­den, der_­die etwas gegen das SS-​Ge­den­ken un­ter­nom­men hätte. Und dabei hät­ten sie sogar zwei­mal die Chan­ce ge­habt, weil NPD-​na­he Krei­se und das Freie Netz Süd an zwei un­ter­schied­li­chen Tagen ge­trennt von­ein­an­der ein Ge­den­ken ab­hiel­ten.

Kein Frie­de mit den Neo­na­zis
Womit wir bei der lo­ka­len Na­zi­sze­ne an­ge­kom­men wären. Nach all dem, was wir über das po­li­ti­sche Klima Rei­chen­halls und des Berch­tes­ga­de­ner Lan­des und den vor­herr­schen­den ver­harm­lo­sen­den bis re­vi­sio­nis­ti­schen Um­gang mit der NS-​Ver­gan­gen­heit fest­stel­len muss­ten, kön­nen die Ak­ti­vi­tä­ten jun­ger Nazis nicht über­ra­schen. Dass diese auf so einem Nähr­bo­den weit­ge­hend un­ge­stört agie­ren kön­nen, ist im Grun­de vor­her­seh­bar.
Bei un­se­rer ers­ten Demo in Bad Rei­chen­hall 2011 wird den Teil­neh­men­den aus einem rech­ten Mob her­aus der Hit­ler-​Gruß ent­ge­gen­ge­streckt 12. Dass es dabei nicht blei­ben muss, zei­gen die ge­walt­sa­men Über­grif­fe von Neo­na­zis der Ka­me­rad­schaft Berch­tes­ga­de­ner Land auf eine an­ti­ras­sis­ti­sche De­mons­tra­ti­on in Aa­chen im No­vem­ber 2013. Auch an­sons­ten ist die lo­ka­le Szene sehr rei­se­freu­dig: Wenn es ihnen in ihrem Land­kreis zu lang­wei­lig wird, fuh­ren sie in der Ver­gan­gen­heit zum bei Vöck­la­b­ruck, Ös­ter­reich, ge­le­ge­nen Ob­jekt 21 13, be­such­ten an­de­re ge­schichts­re­vi­sio­nis­ti­sche Ver­an­stal­tun­gen wie das “Heim­keh­r­er­tref­fen” am Kärnt­ner Ul­richs­berg 14 oder das Ve­ne­to Fest in Nord­ita­li­en, dem Ver­bin­dun­gen zum in Deutsch­land ver­bo­te­nen Blood and Ho­nour-​Netz­werk nach­ge­sagt wer­den. Auf Face­book po­sie­ren sie an­schlie­ßend schon mal mit einer „Bad Rei­chen­hall Hate So­cie­ty” Flag­ge, zei­gen den Hit­ler-​Gruß und tra­gen T-​Shirts mit der Auf­schrift „Uni­ver­si­ty Ausch­witz – ge­grün­det 1941 – Ge­ne­tik, Eth­no­lo­gie, End­lö­sung“.
Vor Ort ent­fal­tet die Ka­me­rad­schaft BGL viel­fa­che Pro­pa­gan­da-​Ak­ti­vi­tä­ten, deren Ideo­lo­gie sich zum Bei­spiel 15 in der Un­ter­stüt­zung für den in Ös­ter­reich in­haf­tier­ten Na­zi­ka­der und Ho­lo­caust­leug­ner Gott­fried Küs­sel zeigt. Die Ak­tio­nen rei­chen von Flug­blatt­ver­tei­lun­gen (u.​a.​vor dem NS-​Do­ku­men­ta­ti­ons­zen­trum Ober­salz­berg 16) über Trans­pa­ren­tak­tio­nen 17 zu Geld­samm­lun­gen bei Lie­der­a­ben­den. Sol­che na­tio­na­len Lie­der­a­ben­de, wie sie u.a. im Frei­las­sin­ger Pils-​Pub K2 statt­fan­den, sind ein Teil rech­ter Er­leb­nis­welt vor der ei­ge­nen Haus­tü­re. Mit dem Neo­na­zi-​Lie­der­ma­cher „Edei“ (Man­fred Edel­mann) aus Pi­ding wohnt auch ein in­ter­na­tio­nal agie­ren­der Hass­mu­si­ker 18 in der Re­gi­on.
Wei­ter­hin pflegt die Ka­me­rad­schaft um Ma­thi­as Häuslmann, Alex­an­der Don­nin­ger, Ben­ja­min Hager und Flo­ri­an Gott­schling in­ten­si­ve Kon­tak­te zum na­zis­ti­schen Frei­en Netz Süd und der NPD-​Tarn­or­ga­ni­sa­ti­on Bür­ger­initia­ti­ve Aus­län­der­stopp Mün­chen. Dabei ste­hen sie im Kon­takt mit Per­so­nen, die 2003 in Pla­nun­gen eines Bom­ben­an­schlags auf die Er­öff­nung des jü­di­schen Ge­mein­de­zen­trums in Mün­chen in­vol­viert waren.

LAND-​FRIE­DEN (s)-​BRUCH
Kurz­um, wir fin­den die ge­schichts­re­vi­sio­nis­ti­schen, na­tio­na­lis­ti­schen und mi­li­ta­ris­ti­schen Zu­stän­de im Berch­tes­ga­de­ner LAND un­er­träg­lich. Die­ser FRIE­DEN mit allem er­denk­li­chen Re­ak­tio­nä­ren be­darf einer er­neu­ten an­ti­fa­schis­ti­schen In­ter­ven­ti­on. For­dern wir einen BRUCH mit der rech­ten Tra­di­ti­ons­pfle­ge und dem Mi­li­ta­ris­mus sowie ein ak­ti­ves Vor­ge­hen gegen Alt- und Neo­na­zis. Lasst uns am Sams­tag, den 10.​Mai 2014 kraft­voll und ent­schlos­sen für die Ent­mi­li­ta­ri­sie­rung und Ent­na­zi­fi­zie­rung Bad Rei­chen­halls auf die Stra­ße gehen. Zei­gen wir, dass wir die­sen Müll nicht wei­ter to­le­rie­ren wer­den. Bad Rei­chen­hall soll die De­mons­tra­ti­on als eine „letz­te War­nung“ be­trach­ten: Denn mög­li­che an­ti­fa­schis­ti­sche Ak­ti­ons-​ und In­ter­ven­ti­ons­for­men be­schrän­ken sich ja nicht auf eine jähr­li­che De­mons­tra­ti­on.

In die­sem Sinne:

Hoch die Par­ti­san­n_in­nen !
Alt- und Neo­na­zis be­kämp­fen !
Rech­te Tra­di­ti­ons­pfle­ge an­grei­fen !
War starts here – let’s stop it here !

Kommt am Sa, 10.​05.​14 zu an­ti­fa­schis­ti­schen De­mons­tra­ti­on nach Bad Rei­chen­hall | 13:30 Uhr |”Kre­ta­brü­cke”

1 Seit Au­gust 2012 trägt die Ka­ser­ne nicht mehr den Namen des „Schläch­ters von der Krim“, dem an­ti­se­mi­ti­schen Mas­sen­mör­der und Na­zi­ge­ne­ral Ru­dolf Kon­rad, son­dern heißt jetzt “Hoch­s­t­au­fen-​Ka­ser­ne”.

2 “An die Be­völ­ke­rung von Bad Rei­chen­hall” lau­te­te eine Ver­öf­fent­li­chung des Ra­batz-​Bünd­nis­ses, wel­che den Ver­zicht auf eine an­ti­fa­schis­ti­sche De­mons­tra­ti­on im Jahr 2013 er­läu­ter­te, aber von der Bad Rei­chen­hal­ler Zi­vil­ge­sell­schaft zwölf wei­te­re Schrit­te for­der­te (vgl. http://​badreichenhall.​tk/​2013/​04/​an-die-bevoelkerung-von-bad-reichenhall/​).

3 3Sat (2009) : Ruhm oder Schan­de? (http://​www.​3sat.​de/​page/?​source=/​kulturzeit/​themen/​135718/​index.​html).

4 Das Kre­ta­ge­den­ken fin­det 2014 vor­aus­sicht­lich am Mitt­woch 21.​05. um 11:00 Uhr an der “Kre­ta-​Brü­cke” statt.

5 Wie er u.​a.​von Jo­hann Wink­ler und Gott­fried Reischl aus Bad Rei­chen­hall prak­ti­ziert wurde. Die bei­den stell­ten unter an­de­rem mit einem Gum­mi­buch­sta­ben-​Druck­kas­ten klei­ne an­ti­fa­schis­ti­sche Agi­ta­ti­ons­zet­tel her, und steck­ten diese in Bad Rei­chen­hal­ler Gast­stät­ten in die Män­tel von Sol­da­ten*. Als Wink­ler und Reischl an Os­tern 1936 ver­such­ten in die Tsche­cho­slo­wa­kei zu flie­hen, wur­den sie ver­haf­tet und nach Mün­chen ge­bracht, wo Reischl er­mor­det wurde. Wink­ler starb 1942 im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Ra­vens­brück. Das Ra­batz-​Bünd­nis for­dert des­halb seit 2011 die Um­be­nen­nung der Kreta Brü­cke in Wink­ler-​Reischl-​Brü­cke (wei­te­re In­for­ma­tio­nen:http://​badreichenhall.​tk/​2011/​05/​brueckenumbenennung-gefordert/​). Dies ist nur ein Bei­spiel, es gib meh­re­re Rei­chen­hal­ler_in­nen, die ani­fa­schis­ti­schen Wi­der­stand leis­te­te­ten. Jo­han­nes Lang er­wähnt im Buch „Ge­schich­te von Bad Rei­chen­hall“ (2009) ei­ni­ge wei­te­re Bei­spie­le: So sahen Rei­chen­hal­ler So­zi­al­de­mo­kra­t_in­nen be­reits 1923 eine Ge­fahr in den Nazis und grün­de­ten eine so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche „Si­cher­heits­ab­tei­lung” mit über 100 Per­so­nen um gegen Na­zi­ak­tio­nen vor­zu­ge­hen (vgl. S. 705). Als am 6. März 1931 eine NSDAP Par­tei­ver­samm­lung statt­fand, en­de­te diese in einer Saal­schlacht zwi­schen Nazis und An­ti­fa­schis­t_in­nen (Kom­mu­nis­t_in­nen und An­hän­ger_in­nen des SPD nahen Reichs­ban­ner), wobei es über 30 Ver­letz­te gab (vgl. S. 736). Und als be­kannt wurde, dass am 30.​01.​31 Na­tio­nal­so­zia­lis­ten das Büro der Bad Rei­chen­hal­ler KPD über­fal­len woll­ten, pa­troul­lier­ten rund 80 Kom­mu­nis­t_in­nen in der Kur­stadt. In der Post­stra­ße kam es dann zu schwe­ren Zu­sam­men­stö­ßen (u.a. mit Schuß­waf­fen, Knüp­peln und Mes­sern, vgl. S. 740).

6 Wäh­rend der deut­schen Be­sat­zung der Mit­tel­meer­in­sel Kreta be­ging die deut­sche Wehr­macht zahl­rei­che Kriegs­ver­bre­chen. Über 3500 Zi­vi­lis­t_in­nen wur­den als Par­ti­san_in­nen und deren Un­ter­stüt­zer_in­nen hin­ge­rich­tet und über 30 Dör­fer kom­plett zer­stört. Viele die­ser grau­en­vol­len Ver­bre­chen sind bis heute weder auf­ge­ar­bei­tet, noch wur­den die Ver­ant­wort­li­chen zur Re­chen­schaft ge­zo­gen. Die Zer­stö­rung der Ort­schaft Ski­nes und die Er­schie­ßung von 148 kre­ti­schen Zi­vi­lis­t_in­nen am 1. Au­gust 1941 sind aber bei­spiels­wei­se den Bad Rei­chen­hal­ler „Ge­birgs­jä­gern“ der 5. Di­vi­si­on nach­zu­wei­sen. Diese Kriegs­ver­bre­chen der Bad Rei­chen­hal­ler Ge­birgs­jä­ger wur­den vom Ra­batz-​Bünd­nis An­fang 2011 in­ten­siv the­ma­ti­siert. Man­fred Held, Vor­sit­zen­den des ört­li­chen Ka­me­ra­den­krei­ses, stell­te aber noch im Juli 2011 gegen über der Süd­deut­schen Zei­tung klar: “Ich will nicht über Kriegs­ver­bre­chen reden, wenn ich der Ge­birgs­jä­ger ge­den­ke”.

7 Bei­spiels­wei­se mit einem „Ge­den­ken“ am Grab von Ge­ne­ral Kon­rad am Fried­hof St. Zeno, durch­ge­führt von der Ka­me­rad­schaft Bad Rei­chen­hall im Ka­me­ra­den­kreis der Ge­birgstrup­pe e.V. und an­de­ren am 26.​10.​2013.

8 Ru­dolf Kon­rad, war der erste Kom­man­deur des 1935 in Bad Rei­chen­hall auf­ge­stell­ten Ge­birgs­jä­ger-​Re­gi­ments 100. Kon­rad be­wies sich be­reits im Ver­nich­tungs­krieg auf der Krim als an­ti­se­mi­ti­scher Mas­sen­mör­der. In die­sem vom na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ver­nich­tungs­wahn ge­trie­be­nen Feld­zug ließ Kon­rad kom­plet­te Orte dem Erd­bo­den gleich­ma­chen. Kon­rad war au­ßer­dem bei der Grün­dung des Ka­me­ra­den­krei­ses der Ge­birgstrup­pe be­tei­ligt. Dort er­klär­te er: „Wir hof­fen, dass in der neuen Scha­le die glei­chen Män­ner, die alten Sol­da­ten ste­cken, die einst Kraft und Ruhm des deut­schen Hee­res und der Stolz des deut­schen Volkes waren.“ Wei­te­re Infos: http://​badreichenhall.​tk/​2012/​04/​wir-fordern-die-umbenennung-der-general-konrad-kaserne-bad-reichenhall/​ und http://​badreichenhall.​tk/​2011/​06/​auch-name-der-kaserne-ist-skandaloes/​

9 vgl. Tho­mas Rödl (2013): Re­gio­nal­stu­die Ober­bay­ern. In Bay­ern unter Waf­fen! Wirt­schaft ohne Rüs­tung – geht das? Rüs­tung in Bay­ern – eine Stand­ort-​Ana­ly­se. Down­load: http://​www.​rosalux.​de/​fileadmin/​ls_​bayern/​dokumente/​20130612_​SR_​24_​BayernUnterWaffen_​GehtWirtschaftOhneRuestung_​Tagungsberichte.​pdf

10 Eu­re­gio (2008): Schutz­sys­te­me von Rhein­me­tall De­fence sind welt­weit ge­fragt.

http://​www.​euregio-​salz­burg.​eu/​gemeindeamt/​html/​MI_​EuRegio_​Dialog_​RWM2.​pdf

11 Der „Klein-​Mit­ro­vica-​Skan­dal“ wurde durch eine Pres­se­mit­tei­lung des Ra­batz-​Bünd­nis (vgl. http://​www.​euregio-​salz­burg.​eu/​gemeindeamt/​html/​MI_​EuRegio_​Dialog_​RWM2.​pdf) öf­fent­lich, alle be­deu­ten­den Me­di­en be­rich­te­ten von dem Skan­dal (vgl. http://​badreichenhall.​tk/​2011/​06/​reaktionen-zum-reichenhaller-klein-mitrovica-skandal/​) und der Fall er­reich­te in kür­zes­ter Zeit sogar eine au­ßen­po­li­ti­sche Ebene (vgl. http://​badreichenhall.​tk/​2011/​06/​staatsanwaltschaft-ermittelt-aussenpolitische-ebene-erreicht/​).

12 2013 wurde dafür ein 53-​jäh­ri­ger Orts­an­säs­si­ger zu einer Be­wäh­rungs­stra­fe ver­ur­teilt. Die Lo­kal­pres­se be­rich­te­te wie­folgt über die Grün­de für die Ge­richts­ver­hand­lung: “Der ehe­ma­li­ge Ma­schi­nen­bau-​In­ge­nieur ist bei der Po­li­zei kein Un­be­kann­ter. Seit Jah­ren taucht der Rei­chen­hal­ler in der rech­ten Szene auf. Vor rund zwei Jah­ren hat er Mit­ar­bei­ter des Job­cen­ters be­lei­digt, hat in den dor­ti­gen Räu­men eine junge Tür­kin mas­siv ein­ge­schüch­tert und schließ­lich bei einer De­mons­tra­ti­on des lin­ken Bünd­nis­ses ‘Ra­batz’ den so­ge­nann­ten ‘Hit­ler­gruß’ ge­zeigt” (http://​www.​reichen­hal­ler-​tag­blatt.​de/​region+lokal/​landkreis-berchtesgadener-land/​bad-reichenhall_​artikel,-​Hit­ler­gruss-​bei-​Lin­ken-​De­mo-​in-​Rei­chen­hall-​_a­rid,44563.​html%29).

13 Im März 2010 grün­de­ten Neo­na­zis aus dem Dunst­kreis der ört­li­chen (in­for­mel­len) Blood & Ho­nour-​Struk­tu­ren im ober­ös­ter­rei­chi­schen Des­sel­brunn den Ver­ein Ob­jekt 21. Die Neo­na­zi­grup­pe hatte ins­ge­sammt rund 200 Mit­glie­der und Sym­pa­thi­san­t_in­nen. Neben NS-​Wie­der­be­tä­ti­gung gin­gen Brand­an­schlä­ge, Dro­gen­han­del, Schutz­geld­er­pres­sung und schwe­re Miss­hand­lun­gen auf das Konto des kri­mi­nel­les Neo­na­zi­netz­wer­kes. Im No­vem­ber 2013 wur­den sie­ben Män­ner im Alter von 23 bis 33 Jah­ren aus der Füh­rungs­rie­ge des Ob­jekt 21 vom Lan­des­ge­richt Wels zu Haft­stra­fen zwi­schen 18 Mo­na­ten be­dingt und sechs Jah­ren ver­ur­teilt. Die Staats­an­walt­schaft Wels hat gegen alle sie­ben Ur­tei­le Be­ru­fung an­ge­kün­digt (vgl. www.​antifainfoblatt.​de/​artikel/​objekt-21, http://​www.​stopptdierechten.​at/?​s=objekt+21 u.a.).

14 Das um­strit­te­ne Ul­richs­berg­tref­fen ist eines der größ­ten Tref­fen von Ve­te­ra­nen der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Wehr­macht und (Waf­fen-​)SS in Eu­ro­pa. Wei­te­re Infos gibt es u.​a.​auf u-​berg.​at

15 Da­ne­ben lie­ßen sich dut­zen­de Flug­blatt­ver­tei­lun­gen zu un­ter­schied­li­chen The­men auf­zäh­len.

16 Flug­blatt­ver­tei­lun­gen gab es nicht nur im Berch­tes­ga­de­ner Land son­dern auch im grenz­na­hen Ös­ter­reich, u.a. in der Salz­bur­ger Alt­stadt vor Mo­zarts Ge­burts­haus oder in Haus­halts­ver­tei­lun­gen in Bür­moos und Obern­dorf.

17 So wurde ein Acht-​Me­ter-​Trans­pa­rent, auf dem die Frei­las­sung Küs­sels ge­for­dert wurde, an einem deutsch-​ös­ter­rei­chi­schen Grenz­über­gang an­ge­bracht, und of­fen­sicht­lich meh­re­re Tage von nie­man­dem ent­fernt.

18 Man­fred Edel­mann war auch zeit­wei­lig als Bas­sist der Rechts­rock­band “Kraft­schlag” tätig. Ein Pan­ora­ma-​Bei­trag sowie der Do­ku­men­tar­film „Blut muss flie­ßen – Un­der­co­ver unter Nazis” zei­gen Edei bei einem Blood and Ho­nour-​Kon­zert in Un­garn. In dem Mit­schnitt grölt der frü­he­re Ad­mi­nis­tra­tor des In­ter­net­por­tals „Wi­der­stand Süd“ „Adolf Hit­ler steig her­nie­der und re­gie­re Deutsch­land wie­der“ ge­folgt von bru­ta­ler an­ti­se­mi­ti­scher Hetze (vgl. http://​daserste.​ndr.​de/​panorama/​archiv/​2007/​erste5118.​pdf).

* Er­läu­te­rung zur Gen­der­ex­pres­si­on in die­sem Auf­ruf:
Wir ver­wen­den im All­ge­mei­nen den Gen­der Gap (z.B. “Be­woh­ner_in­nen”). Bei der Be­zeich­nung von An­ge­hö­ri­gen der deut­schen Wehr­macht und der SS er­scheint es uns an­ge­mes­se­ner, die männ­li­che Form zu be­nüt­zen. Hier würde eine Schreib­wei­se mit Gen­der Gap eine Ver­schleie­rung der Tat­sa­che be­deu­ten, dass die be­zeich­ne­ten Per­so­nen mit größ­ter Wahr­schein­lich­keit aus­schließ­lich Män­ner* waren und zudem eine pa­tri­ar­cha­le Norm von krie­ge­ri­scher Männ­lich­keit ver­kör­pern. Der Stern (z.B. “Sol­da­ten*”) weist dar­auf hin, dass so­zia­les Ge­schlecht kei­nes­wegs “na­tür­lich” ist, son­dern durch So­zia­li­sa­ti­on ent­steht und so­zi­al kon­stru­iert ist.